14. Blackmar-Diemer-Gambit-Thematurnier 2004
zum Gedenken an Emil-Joseph Diemer

Organisation diesmal noch sichergestellt

Von Jürgen Tönjes, Bremen


Knapp geschafft ist auch geschafft könnte man als Kommentar zu der Überschrift sagen. Denn sicher war es diesmal nicht, ob ein Diemer Gedenkturnier, also nüchtern betrachtet ein BDG-Thematurnier im Schnellschachmodus stattfinden würde. In den einschlägigen Ausschreibungen der Rochade Europa war im Terminkalender, zuletzt in der Ausgabe 04/2004, nichts weiter ausgeführt. Also nahm ich in einem Brief Anfang April 2004 an meinen alten Schachfreund Volker Drüke die Gelegenheit wahr, fragte nach und nannte Termine, die für mich passend wären.

Tatsächlich rief er zurück. "Das Diemer-Gedenkturnier findet nicht mehr statt! Ich hab die Schnauze voll davon. Immer das ganze Spielmaterial von Ludwigshafen nach Fussbach transportieren, bei den Leuten hinterhertelefonieren die erst mit Hurra zusagen, dann doch nicht kommen, den Termin mit Frau Schilli fixieren, die Ausschreibung in der Rochade und im Internet organisieren und am Ende kommen dann 5 Leute. Nach 13 Jahren Turnierorganisation reicht es mir." So in etwa war im Groben seine Argumentation mir gegenüber. Was soll dazu auch weiter ausgeführt werden: Er hat ja in allen Punkten recht!! Nichts was übertrieben wäre! Meine Frage, ob Georg Studier schon informiert wäre, wurde allerdings verneint. "Dem werde ich das auch noch auseinandersetzen" war Volkers Bemerkung dazu. Somit hatte ich mich schon in meiner Urlaubsplanung auf einen Urlaub ohne Diemer-Gedenkturnier eingerichtet. Etwa 14 Tage später weckte mich ein vormittägliches Telefonklingeln aus dem Schichtarbeiterschlaf. "Das Diemer-Gedenkturnier findet am 22.05.04 wie gewohnt im "Rebstock" in Fussbach statt" war jetzt die neue Information. "Hast Du mit Studier telefoniert?" war meine Frage dazu. "Über eine geschlagene halbe Stunde hat der Kerl auf mich eingeredet bis ich zugesagt habe." Scheddriges Gelächter meinerseits und die an Volker gerichtete Feststellung: "Dann hast Du Dich also wieder weichkochen lassen" wurde kleinlaut bestätigt. Womit dann die Turnierorganisation des 14. Diemer Gedenkturniers 2004 gesichert war. Den geneigten LeserInnen soll das vorherige Geschreibsel verdeutlichen, dass die Turnierorganisation für 2005 keineswegs als gesichert und selbstverständlich angesehen werden darf. Immerhin handelt es sich um kein offizielles Verbandsturnier und die Organisation wurde über 14 Jahre, mit Ausnahme der ersten 3-4 Jahre, ausschliesslich von Volker Drüke allein aus blankem Idealismus und Enthusiasmus übernommen und getragen.

Doch zum Turnier selbst: Für den 22.05.2004 war nun der Termin festgesetzt und meine eigene Urlaubsplanung konnte daran relativ problemlos angepasst werden. Da ich diesmal passend Urlaub bei meinen Arbeitgebern eingereicht hatte, beschloß ich diesmal früher anzureisen und später wieder abzufahren, damit das Wochenende nicht nur durch hektische An- und Abfahrerei gekennzeichnet wäre. Zeitig quartierte ich mich also diesmal einen Tag vorm Turnier bei meiner Stammpensionswirtin Frau Stolz in Strohbach ein. Am Spieltag selbst ging ich allerdings wieder den verkehrstechnischen Tücken der Region auf den Leim. Der einzig zeitlich passende Bus vor Turnierbeginn von Strohbach Richtung Gasthaus "Rebstock" fährt um 8:45 Uhr. Danach hilft nur noch das exorbitant teuere Taxi oder ein Fussmarsch. Diesen hatte ich nach einem ausgiebigen Frühstück noch einkalkuliert, nicht aber die Entfernung richtig eingeschätzt. Statt der kalkulierten 2 km im gemächlichen Fussgängertempo waren es ca. 3,5 km, die im Sturmschritt für rechtzeitiges Eintreffen vor Turnierbeginn zurückgelegt werden mussten. Dies führte bei mir zu leichter Verspätung beim Eintreffen und Anmelden und bei Volker Drüke zu der Sorge, dass ich evtl. dieses Mal entgegen meiner Zusage nicht teilnehmen könnte. Die vorherigen Jahre war ich immer schon, verkehrstechnisch bedingt, überpünktlich vor ihm anwesend. Anwesend und am Turnier teilnehmend waren dann letztendlich 18 Teilnehmer, Turnierleiter Volker Drüke mit eingeschlossen. Von diesen 18 TN waren diverse Spieler schon gut bekannt und mehrmals dabei, aber auch "Neuzugänge" bzw. Erstteilnehmer wurden gesichtet. Nominell stärkste TN im Feld waren der für Dreisamtal aktive Max Scherer (Elo 2285) und der für die SVG Offenburg gemeldete FM Hans Elmar Schwing (Elo 2303). Womit dann auch schon die größten Favoriten für den Turniersieg benannt wären. Allerdings durfte das Restteilnehmerfeld natürlich nicht vernachlässigt werden, da jeder Turnierverlauf durchaus für Überraschungen gut sein kann.

Unterschiedlich und interessant war auch die Teilnahmemotivation der beiden TWZ-Favoriten. Während Max Scherer bereits zum zweiten Mal am Diemer Gedenkturnier teilnahm und beim ersten Mal 2003 das Turnier gewonnen hatte (man nimmt dann natürlich immer wieder aus lieber Gewohnheit teil) war FM Schwing in dieser Hinsicht ein unbeschriebenes Blatt. "Das BDG ist mir in meiner bisherigen Praxis und Schachkarriere überhaupt noch nicht begegnet. Ich habe bisher weder mit Weiß selbst, noch mit Schwarz gegen das BDG gespielt und wollte einfach mal gucken was man mit dem und gegen das BDG ausrichten kann." So lautete in etwa die Stellungnahme des FM, was motivationstechnisch auf schachlichen Bildungsurlaub als Tagesseminar hinausläuft.

Der Turnierverlauf selbst war dann durchaus interessant und spannend. Gewinnen konnte wieder einmal Max Scherer, der allerdings in Runde 4 gegen seinen härtesten Mitfavoriten FM Schwing und völlig überraschend in Runde 5 gegen den stark aufspielenden Redakteur der "Neuen Blackmar-Gemeinde", Siegfried Hornecker, jeweils ein Remis abgeben mußte. Alles andere wurde schon fast erwartungsgemäß von ihm gewonnen. Etwas mehr Lehrgeld mußte dagegen FM Schwing zahlen. In Runde 2 wurde ein zusätzliches Remis gegen den Freiburger SF Langheineken abgegeben und in Runde 6 betätigte sich SF Hornecker als Favoritenkiller und nahm ihm sogar den vollen Punkt weg, sodaß es am Ende sogar nur für Platz 3 reichte. Platz 2 belegte dagegen BDG-Praktiker und Traditionsteilnehmer Günter Brunold aus Kempten/Allgäu, der nur gegen die beiden TWZ-Favoriten verlor und durch die bessere Buchholz 1-Zahl punktgleich sich vor FM Schwing platzieren konnte. SF Hornecker belegte mit 4,5 Pkte noch einen respektablen 4. Platz. Eine bessere Platzierung verdarb er sich durch zu viele Remisen gegen Spieler aus dem Mittelfeld und eine entscheidende Schlußniederlage in Runde 7 gegen Günter Brunold. Alle übrigen Teilnehmer, wie z.B. ich selbst, hatten bei diesem Turnier nichts mit dem Ausgang um den Turniersieg zu tun und landeten gemäß ihren erspielten Punkten auf den weiteren Plätzen. Abschließend kann noch angemerkt werden, daß die Organisation und Turnieratmosphäre diesmal rundherum stimmten. Es gab keine Störungen und Streitfälle von Seiten der TN und TL Drüke wachte diesmal mit Argusaugen darüber, daß das Auslosungsprogramm keinen Sabotagemodus wie im letzten Jahr einschalten konnte und alles bei der Auslosung seinen ordnungsgemäßen Verlauf nahm. Es ist also zu hoffen, daß, wenn die Organisation dieses Turnieres, wie auch schon diesmal ansatzweise, auf mehrere Schultern verteilt wird, auch zukünftig Diemer-Gedenkturniere stattfinden werden.

Anmerkung Webmaster Es haben sich neue Helfer gemeldet und das Turnier wird in alter Frische fortgesetzt.

Abschlußtabelle

Rangliste: Stand nach der 7. Runde
Rang Teilnehmer Titel TWZ At Verein/Ort Land S R V Punkte Buchh SoBerg
1. Scherer,Max   2285 M SGEM Dreisamtal GER 5 2 0 6.0 26.0 22.00
2. Brunold,Günter   1923 M SK Kempten 1878   5 0 2 5.0 27.5 19.50
3. Schwing,Hans-Elma FM 2303 M SVG Offenburg GER 4 2 1 5.0 27.0 21.00
4. Hornecker,Siegfri   1802 M SK Heidenheim   3 3 1 4.5 28.0 17.50
5. Langheineken,Uwe,   1803 M Freiburger SF 1   3 2 2 4.0 27.5 14.75
6. Zipfel,Mathias   1869 M SGEM Dreisamtal   4 0 3 4.0 24.5 13.50
7. Studier,Georg   1912 M Freiburger SF 1   3 2 2 4.0 22.5 11.75
8. Schmidt,Friedrich   1547 M SK Schutterwald   4 0 3 4.0 21.5 9.00
9. Tönjes,Jürgen   1782 M SF Lilienthal v   4 0 3 4.0 21.0 10.50
10. Königs,Rainer   1604 M SV Nagold   3 1 3 3.5 25.5 10.25
11. Barth,Tibor   1467 M SC Schwarz-Weis   3 1 3 3.5 22.5 10.25
12. Laubis,Roland   1604 M SC Brandeck-Tur   3 0 4 3.0 25.0 7.50
13. Nehlert,Arno   1659 M SC Brandeck-Tur   2 2 3 3.0 21.5 7.25
14. Drüke,Volker   1458 M SV Rheingönheim   3 0 4 3.0 20.5 5.00
15. Kury,Hermann   1273 M SC Brandeck-Tur   3 0 4 3.0 16.5 3.50
16. Laug,Hubert   1521 M SC Brandeck-Tur   1 1 5 1.5 19.5 1.25
17. Klingmann,Hans   1281 M SK Schutterwald   1 1 5 1.5 19.0 1.25
18. Herrmann,Ewald   1224 M SK Schutterwald   0 1 6 0.5 17.5 1.50


Drüke - Herrmann


Laug - Barth


Computer


Spielsaal


Gewinner Max Scherer


Brunhold - FM Schwing


Studier - Nehlert


Studier - Nehlert


Tönjes - Schmidt





Langheineken - Laubis




Weitere Bilder gibt es bei www.rainer-koenigs.de

Fußbach

Seit vielen Jahren findet in Fußbach im Rebstock ein Gedenkturnier statt. Es handelt sich um ein Thematurnier, bei dem die ersten Züge des Blackmar Diemer Gambits vorgegeben sind.

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