15. Blackmar-Diemer-Gambit-Thematurnier 2005
zum Gedenken an Emil-Joseph Diemer





Photogalerie vom Turnier.

XV. Blackmar-Diemer-Gambit-Thematurnier: Mit leichten Veränderungen

Am 30.04.2005 fand nunmehr zum 15. Mal das BDG-Thematurnier zum gedenken an Emil-Joseph Diemer in Fußbach statt. Austragungsort war, wie immer in den Jahren zuvor auch, der Gasthof "Rebstock" von Familie Schilli. Zu seinen Lebzeiten war dies Diemer's "Stammkneipe". Eigentlich alles wie gewohnt, aber einige leichte Veränderungen gab es denn noch. Im Vergleich zum Jahr 2004 war die Turnierorganisation für 2005 gesichert. Denn bei der letzten Turnierdurchführung hatte sich gezeigt, daß die Arbeitsteilung bei der Turniervorbereitung funktionierte!! Ein Turnierbericht erschien nachträglich im Internet und in der Rochade Europa, das Spielmaterial wurde von BDG-Schachfreunden aus der badischen Region organisiert und transportiert und die Kernorganisation, bestehend aus Turnierausschreibung, -leitung, Einladungen verschicken und Termin festlegen, wurde wieder in altbewährter Weise von Turnierleiter und -organisator Volker Drüke durchgeführt.

Allerdings hatte ich als fernanreisender Teilnehmer (=TN) diesmal geplant die ganze Sache etwas entspannter angehen zu lassen. Dazu wurde diesmal von mir rechtzeitig Kurzurlaub beim Arbeitgeber angemeldet, um einen Tag früher anreisen zu können und die Übernachtungen wurden direkt im "Rebstock" bei Frau Schilli gebucht, damit das morgendliche fußgängerische Gehetze wegen der leider grottenschlechten verkehrstechnischen Anbindung endlich mal entfallen sollte. "Du wirst vermutlich nicht alleine sein!" meinte dazu Volker Drüke, als ich ihn kurz vorher noch einmal kontaktierte. "Es könnte diesmal sein, daß wir mehr Teilnehmer als sonst haben." Mit der ersten Prognose hatte Volker recht. Tatsächlich hatten sich außer mir noch ein sächsischer Schachfreund und 2 weitere Schachfreunde aus Berlin und der Altmark bei Frau Schilli einquartiert. Turniervorbereitende Maßnahmen wie Biere stemmen, Informationsaustausch über BDG-Varianten und natürlich Auffrischung von Diemer-Anekdoten aus seinem bewegten Leben nebst seiner diversen Weltuntergangsprophezeiungen konnten in Angriff genommen werden. Dies wurde dann auch bis spät in die Nacht ausgiebig praktiziert. Die Strafe erfolgte für den Artikelschreiber im Morgengrauen, als in der Halbschlafphase diverse Atom- und Wasserstoffbombenexplosionen durch das träumerische Unterbewußtsein wummerten. Lag es jetzt an den Bieren oder an der zu ausgiebigen Erörterung Diemerscher Weltuntergangsszenarien? Meine mahnenden Worte das kurzfristig eine Nuklearrakete mit H-Bombensprengkopf einschlagen, einen Feuersturm verursachen und den Gengenbach austrocknen würde fand kein Gehör beim Turnierleiter. Auch mein Hinweis, daß deshalb das Turnier nicht stattfinden könnte und alle Teilnehmer sofort nach Offenburg flüchten müßten wurde ignoriert. "Geh mir los mit dem Käse" meinte Volker Drüke dazu und sorgte sich mehr um die Teilnehmerzahl, die sich trotz aller optimistischen Prognosen und Vorzeichen wieder auf Vorjahresniveau einpendelte. Trotz aller gezogenen Vorbereitungsregister wie rechtzeitige Ausschreibung in den süddeutschen Regionalteilen und im nationalen Turnierkalender der RE, nebst telefonischer und postalischer Einladungen an bekannte Schachfreunde mit BDG-Hintergrund kamen wieder nur 19 Teilnehmer. Allerdings war das Teilnehmerfeld diesmal etwas mehr durchmischt. Statt den üblichen "Veteranen", hauptsächlich aus der badischen Region, waren diesmal auch TN, wie schon erwähnt, aus Berlin, Sachsen-Anhalt, Sachsen und ein Schachfreund aus München angereist, die allesamt ihr erstes Diemer-memoriam mitspielten. Sf Klaus Müller aus Sachsen hatte allerdings seinen Zeitplan bzgl. Zugabreise zu scharf kalkuliert, konnte deshalb nicht zu Ende spielen, beschränkte sich nach der ersten Runde daher auf den Status des Zuschauers und ließ TL Drüke für sich weiterspielen.

Die übliche spannende Frage war natürlich wer aus dem TN-Feld wohl am ehesten für den Turniersieg in Frage kommen würde. Favorisiert war natürlich mit der h”chsten TWZ von 2325 wieder der Vorjahressieger Max Scherer, der beim Gewinnen des Turnieres gegen das übrige TN-Feld schon eine gewisse Routine entwickelt hat und, trotzdem er im regulären Turnierschach hauptsächlich konventionelle Er”ffnungen spielt, über fundierte BDG-Praxis sowohl mit Weiß als auch mit Schwarz verfügt. Die nächsth”here TWZ von 2190 hatte der Turnierneuzugang Rudi Volf aus München, aber da waren auch noch Turnierurgestein Matthias Zipfel, BDG-Altveteran Georg Studier, der Problemschachexperte und Favoritenschreck des letzten Jahres Siegfried Hornecker und auch alle anderen TN waren nicht unbedingt als zahme Punktlieferanten angereist. Vor dem eigentlichen Turnier wurde noch ein Gruppenbild mit allen TN und Frau Schilli aufgenommen, dann begann die erste Runde.

{Gruppenbild einfügen} Um es vorwegzunehmen: Überraschenderweise wurde diesmal nicht Max Scherer Turniersieger. Schon bald nach den ersten drei Runden zeichnete sich ab, daß die ganze Sache wohl auf einen Zweikampf zwischen den Sf Scherer und Volf hinauslaufen würde. In Runde 5 kam es dann zum turnierentscheidenden direkten Duell zwischen den beiden Kontrahenten, welches natürlich am härtesten von allen bisher gespielten Partien umkämpft war. In einem dramatischen Endspielfinale bei beiderseitigem Zeitmangel behielt Sf Volf die Oberhand und sicherte sich damit den Turniersieg. Auch seine einzige noch folgende Niederlage gegen Turnierurgestein Matthias Zipfel, der sich u.a. dadurch und eine solide Turnierleistung Platz 3 sicherte, änderte daran nichts mehr. Es blieb der einzige Punktverlust für Sf Volf. Favorit Scherer dagegen hatte am Ende zwei volle Punktverluste zu verzeichnen, was diesmal nur für Platz 2 reichte. Ursache für den ersten Punktverlust war ein Motiv welches in der BDG-Stammpartie Dr Ryder - N.N. von 1899 ignoriert, aber in der folgenden Turnierpartie von Sf Meyer-Roschau sehr sch”n erkannt wurde.

15. EJD-Memoriam in Fußbach am 30.04.2005, (30 min) Meyer-Roschau, Jürgen (1855) - Scherer, Max (2325) Runde 2 1 d4 d5 2 e4 dxe4 3 Sc3 Sf6 4 f3 Die vorgegebene Grundzugfolge, danach sind alle Züge frei wählbar. 4...exf3 Als Alternative zum Textzug kommen diverse Ablehnungen und Gegenkonter in Frage (z.B. 4...e6, 4...c6, 4...e5, 4...c5, 4...g6, 4...Sc6, 4...Lf5). 4...Lf5 wurde zuletzt von GM Wahls in seinem Buch über Skandinavisch nachhaltig empfohlen und verfochten. 5 Sxf3 Mitte der 1950er-Jahre hat dieser Zug die anfangs von Diemer verfochtene schärfere Alternative 5 Dxf3, nach der ein zweites Bauernopfer angeboten wird, weitgehend verdrängt. 5...g6 Diese Verteidigungsmöglichkeit wurde von Diemer seinem langjährigen Freund GM Bogoljubow auch zugeschrieben, der nach 5 Dxf3 mit 5...g6 fortsetzte. In BDG-Kreisen gilt sie bei genauer Verteidigung von Schwarz am aussichtsreichsten, um den vollen Punkt abzustauben. Aber dieses Verteidigungssystem ist komplex und hat seine Tücken. 6 Lc4 Lg7 7 0-0 0-0 8 h3?! Ist etwas passiv und nicht ganz systemgerecht. Handelsüblich ist sofort 8 De1 = Studier-Angriff nebst baldigem Dh4 oder die Züge 8 Lg5, 8 Lf4 bzw. auch 8 Kh1 = Kloss-Angriff. 8...Sbd7 9 De1 c5 10 dxc5 Sxc5 11 Le3 Le6 Die Abwicklung mit Bauernrückgewinn [12 Lxc5 Lxc4 13 Lxe7 Db6+ 14 Tf2 Tfe8] scheint für Weiß riskant zu sein. 12 Le2 Sce4 13 Sxe4 Sxe4 14 Ld3 Sd6 15 Dh4 f6 16 Tad1 Da5 17 Ld2 Db6+ 18 Kh1 Tad8? {Diagramm einbauen} Besser war 18...Sf5 mit guter Stellung für Schwarz und Mehrbauern. Jetzt sichert auch, wie in der berühmten BDG-Stammpartie Dr. Ryder-N.N., Leipzig 1899 im 10. Zug, ein Damenrückzug den weißen Vorteil. Dieser wurde aber dort nicht während der Partie, sondern erst über 40 Jahre später von Diemer entdeckt. 19 De1! Während dieser Damenrückzug hier fast stante pede gefunden wird und Weiß wieder aktives Spiel verschafft. 19...Lxa2 20 La5 Dxb2 Schwarz spielt natürlich noch weiter, futtert Bauern und hofft auf weiße Aussetzer die das Spiel zu seinen Gunsten kippen sollen. Materiell steht es zwar noch in etwa gleich, aber die verbliebenen Angriffs- und Verteidigungbataillone sind asymetrisch. Beste Voraussetzung für dynamisches Spiel und taktische Schlagabtausche. 21 Lxd8 Txd8 22 Dxe7 Db6 23 Ta1 Te8 24 Dd7 Le6 25 Da4 a6 26 Tab1 Dc7 27 Tfd1 Ld7 28 Df4 Te6 29 Tb4! Lc8 30 Lc4 {Diagramm einbauen} Noch einmal "Piieeks" und Weiß sichert sich jetzt reellen Materialvorteil. 30...Se8 31 Lxe6+?! Nach 31 Dxc7 Sxc7 32 Td8+ Lf8 33 Txc8 Kg7 34 Txc7+ Te7 35 Txe7+ Lxe7 36 Txb7 scheint die schwarze Stellung komplett auseinanderzufallen. 31...Lxe6 32 Dxc7 Sxc7 33 Txb7 Se8 34 Td8 Kf8 Hartnäckiger erscheint 34...Lf7 aber auch danach geht entscheidendes Material verloren. Man prüfe: [34...Lf7 35 Sd4 f5 37 Se6! Lf6 (37...Lxe6? 38 Txe8+ nebst 39 Txe6) 38 Ta8 a5 (38...Le5 39 Sg5!) 39 Sc7 Kf8 40 Sxe8 Lxe8 41 Tbb8 nebst 42 Txe8] 35 Txe8+! Kxe8 36 Txg7 Weiteres Material ist verloren und nunmehr versucht Schwarz nur noch mit seinem Zeitvorsprung zu wuchern. 36...g5 37 Txh7 Lf5 38 Ta7 Lxc2 39 Txa6 Ke7 40 Kg1 Kf7 41 Kf2 und Weiß ließ sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und setzte diverse Züge später matt (keine Notation mehr wegen Zeitmangel) 1-0 Eine insgesamt runde Leistung von Sf Meyer-Roschau gegen einen sehr starken Gegner.



Damit, und einer konstanten soliden Turnierleistung sicherte er seinen 4 Platz in der Endtabelle und Sf Scherer mußte das Turnier mit einem vorentscheidenden Punktverlust weiterspielen. Die übrigen Teilnehmer hatten mit dem Ausgang um den Turniersieg nur wenig zu tun und verteilten sich auf den hinteren Plätzen. Altveteran Studier vergab u.a. zu viele Remisgeschenke (Platz 6), dem Artikelschreiber (Platz 5) gelang es nicht entscheidende Punkte gegen die Sf Volf und Scherer zu sammeln und alle übrigen Sf mußten sich mit Plätzen im mittleren oder hinteren Tabellendrittel begnügen. Bei der Siegerehrung wurden dann wie üblich Preise verteilt, wobei diesmal zum Preisgeld noch Siegerurkunden hinzukamen, die von GM Uhlmann und dem Oberbürgermeister von Dresden signiert waren. Sf Müller hatte diese mitgebracht und gestiftet. Abschließend gab es noch ein Foto mit den drei erstplatzierten TN, bevor das Turnier offiziell beendet war. Nachfolgend die Endtabelle mit allen Platzierungen und TN:
Rangliste:  Stand nach der 7. Runde
Rang   Teilnehmer                  TWZ        Attr.        Verein/Ort                     S        R        V        Punkte        Buchh        SoBerg
1.     Volf,Rudi                    2191        M        Blinden SC München                6        0        1        6.0        25.5        23.00
2.     Scherer,Max                  2325        M        SGEM Dreisamtal        GER        5        0        2        5.0        25.5        17.00
3.     Zipfel,Mathias               1892        M        SGEM Dreisamtal                   4        2        1        5.0        24.5        20.25
4.     Meyer-Roschau,Jürgen,Dr.     1853        M        Randspringer Salzwedel e.V.       4        1        2        4.5        27.0        17.50
5.     Tönjes,Jürgen                1798        M        SF Lilienthal von 1971            3        2        2        4.0        25.0        12.25
6.     Studier,Georg                1883        M        Freiburger SF 1887                1        6        0        4.0        23.5        13.00
7.     Hornecker,Siegfried          1933        M        SK Heidenheim        GER          3        2        2        4.0        21.5        10.75
8.     Laubis,Roland                1526        M        SC Brandeck-Turm Ohlsbach e.V.    3        1        3        3.5        26.0        11.00
9.     Kienzler,Werner              1941        M        Freiburger SF 1887                3        1        3        3.5        25.0        09.50
10.    Schmidt,Eugen                1400        M        SC Schwarz-Weiss Zell             2        3        2        3.5        22.5        10.50
11.    Dell,Waleri                  1648        M        SK Schutterwald                   3        1        3        3.5        22.0        11.00
12.    Schmidt,Friedrich            1534        M        SK Schutterwald                   1        4        2        3.0        21.5        09.00
13.    Gißler,Jürgen                1515        M        SC Schwarz-Weiss Zell             2        2        3        3.0        18.5        06.75
14.    Rudolf,Theo                  1382        M        SK Randbauer Griesheim            2        1        4        2.5        21.5        05.00
15.    Drüke,Volker                 1458        M        SV Rheingönheim                   2        1        4        2.5        19.5        06.50
16.    NN                           1567        M        NN                                1        2        4        2.0        21.0        04.75
17.    Meyer,Gerhard                1400        M        SG Kalletal                       2        0        5        2.0        17.5        04.50
18.    Helbig,Karl-Heinz            1448        M        SK Schutterwald                   1        1        5        1.5        17.5        03.50

Fußbach

Seit vielen Jahren findet in Fußbach im Rebstock ein Gedenkturnier statt. Es handelt sich um ein Thematurnier, bei dem die ersten Züge des Blackmar Diemer Gambits vorgegeben sind.

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